Großbritannien, das Land, das den
After-Work-Rausch salonfähig gemacht hat, wo ein bis zwei Ibuprofen zum
Frühstück das Glas Orangensaft ersetzen und wo es mehr Wörter für den
alkoholisierten Zustand gibt, als Wörter für Schnee am Nordpol. Durch die populäre
Pub-Kultur stellt sich für den London
Newbie die Herausforderung seinen bzw. ihren Stamm-Pub zu finden, einen
Ort, der für den jungen Neu-Großstädter ein Zufluchtsort ist und in dem ein
Pint Beer oder ein Cider weniger als fünf Pound kostet. Wer bei der Auswahl
seines most favorite pubs nicht sorgfältig vorgeht, landet am Ende in einer
der folgenden Fallen:
The Pop-Up-Hand-Crafted-Beer-Hipster-Pub
Die Bar oder alternativ das Café ist
selbstverständlich brandneu und liegt im Zweifel in East London – Hackney oder
Dalston. The place to be ist
gerammelt voll mit Bartträger undefinierbaren Alters, die ihre Individualität
durch tätowierte Unterarme und Terry-Richardson-Brillen zelebrieren. Das
Publikum arbeitet größtenteils in new
media und jeder hier hat mindestens einen Blog und/ oder eine Indie-Band. An den
Wänden hängen Geweihe und zu trinken gibt es natürlich auch was: hauptsächlich
hand-crafted beer – von Holundergeschmack bis Seesalz-Note – und seine sechs
Pfund damit a-b-s-o-l-u-t-e-l-y wert.
Snacks gibt es natürlich auch: schon mal von der indo-äthiopischen Küche
gehört? You haven´t, oh?!
Gesprächsfetzen:
- “Yeah, cool, yeah, I work as visual digital artist/ brand ambassador/ social media manager, you know.”
- “We just started this new app – it´s going to be huge. That´s how WhatsApp started, isn´t it?”
Soundtrack (und damit das einzig Gute, was der
Laden zu bieten hat):
The Yummy-Mummy Café
Die Stars hier heißen Jason-Oliver,
Sunday-Mayflower, Jean-Jacques und Chelsea und sind ungefähr drei Käse hoch,
haben aber bereits jetzt schon den exquisiten Geschmack ihrer Erzeuger („Honey,
do you want a ham sandwich?“ „Only if its parma!“). Das Café während Lunchtime kommt
einem Werk von Hieronymus Bosch gleich mit seinen sich gegenseitig mit
Fischstäbchen-in-Pesto-Kruste-bewerfenden Vierjährigen und ihren Müttern, die
das ganze Lokal mit ihren MacLaren-Buggys vollgeparkt haben, um mit andern Mummies
bei einem Chai-Soya-Latte den timetable
für Jason-Oliver, Sunday-Mayflower und Jean-Jacques planen.
Gesprächsfetzen:
- "Jason-Oliver is learning Mandarin now – you know the Asian market is the future, isn´t it.”
- "Excuse me, you´re only using organic products, are you?”
Soundtrack:
The City Boy´s
Bar
“Do you live on a chicken farm?’Cause
you sure know how to raise a cock?”
Brüller am Nachbarstisch,
Augenverdrehen bei den Damen, die sich versehentlich in diesen Pub verirrt
haben: Welcome to the Boy´s Bar. Zentral gelegen in der Nähe von Canary Wharf und Bank, den Bankzentren Londons, rotten sich die men who run the city um spätestens sechs Uhr zu after-work drinks zusammen und sind
spätestens eine Stunde später a-b-s-o-l-u-e-t-l-y shitfaced.
Aufgrund ihres gentlemanhaften Benehmens haben Davis von Goldman Sachs, Jones
von Boston Consulting und Smith von HSBC nach ihrem sechsten Lager auch die
letzte Dame aus dem Bar verscheucht. Damit ist der Zeitpunkt gekommen ein cab zu
ordern, denn morgen ist wieder business
as ususal.
Gesprächsfetzen:
- “You know, Davis from Goldman, I screwed him on his stakes … haha.”
- "Jones! Jones! What the f***? Did you just have crisps? Eating is cheating! You´re on the next round of snaps!
Soundtrack:
Alles von und mit Kayne West
The Cheap Place
Das Publikum: hauptsächlich Erstsemestler. Die Girls haben 20 Zentimeter-Heels an – goes classy mit Röcken/
Shorts, die immerhin die Hälfte des Hinterteils bekleiden und beim Ausschnitt
gilt: mehr ist mehr! Ein paar Kilos, oder zehn oder 20 zu viel auf den Hüften
machen das Cut-Out-Outfit perfekt. Die Herren der Schöpfung tragen
Holzfällerhemden und starren auf einen der Flatscreens, die das letzte
Rugby-Spiel übertragen. An der Bar werden Pitchers
bestellt – Sex on the Beach, Hollywood Love oder Swimming Pool in zwei Liter-Kübeln
– und das Beste: “Buy 2 get one free“. Das erklärt auch die zunehmend
ausgefallenen Moves auf dem Dancefloor und die Begeisterung von Justin
Bieber Hits.
Gesprächsfetzen:
- „I got this shirt on sale in Topshop! Woohoo! Well, it´s a bit too small, but hey!”
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